Sommer- und Spendenlehrgang in Grömitz

 

3. Juli 2010 - Es war heiß! Fast unerträglich heiß.

 

Als am Abend zuvor die Matten in der Gildehalle gebracht und aufgebaut wurden, bekamen wir schon einen ersten Vorgeschmack darauf, wie wir an diesem Tag schwitzen würden. Bereits am Morgen zeigte das Thermometer 25 C° an, früher ein sicheres Zeichen dafür, dass Schulkinder Hitzefrei bekommen hätten. Und dann lag da auch noch die Fußball WM (Deutschland gegen Argentinien) genau in der Zeit, in der der Lehrgang stattfand. Wer sich da wohl noch aufraffen würde, zum Lehrgang zu kommen?

 

Für sechs Prüflinge und deren Uke begann das Schwitzen bereits zwei Stunden vor Lehrgangsbeginn. Bernd Voß (2. Dan) und Thomas Clausen (1. Dan) nahmen vor dem Lehrgang 5 Gelbgurt­prü­fun­gen und einen Grüngurtprüfung ab. Erstmalig nahmen auch 4 Prüflinge aus Thomas Lübecker Kinder­grup­pe daran teil. Immerhin verhalfen die hohen Temperaturen zu einem ganz legeren, ruhigen und zeitweise humorvollen Ablauf und nach 1 ½ Stunden hatte die Nervosität ein Ende: Alle Prüflinge hatten gut bestanden.

Herzlichen Glückwunsch Tatjana zum 3. Kyu und Sascha, Emily, Tim, Ellen und Henrike zum 5. Kyu!

Die Gildehalle hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits mit Zuschauern und Teilnehmern gefüllt. Erstaunlich, von den über 40 angemeldeten Teilnehmern waren doch 35 zum Lehrgang gekommen, statt den Tag am Strand und/oder vor den Fernseher zu verbringen.

Dieser Lehrgang war auf jeden Fall anders als andere. Zwangsläufig und sehr originell.

Direkt an der Gildehalle konnten wir leider nicht mit Ostsee und Strand dienen, aber mit einem Planschbecken. Sonne hatten wir mehr als genug und Ulla hatte einen Fernseher mitgebracht. So konnten die Fußballbegeisterten doch immerhin die zweite Halbzeit sehen. (Die Erste war durch das Getröte draußen leicht nachzuvollziehen). Und Tanja hatte Eis mitgebracht. Da wir zwar eine Kühl- aber keine Gefriermöglichkeit hatten, begann der Lehrgang deshalb überraschend mit: EIS FÜR ALLE!

 

Bereits beim Angrüßen fühlte sich der Gi klamm an, man hatte das Gefühl zu zerfließen. Wie war das: Wärme steigt nach oben? Wie sich das wohl oben anfühlen muss, wenn einem hier unten im Kniesitz schon warm ist? Und wir hatten und noch kein Stück bewegt!

Aber mit zusätzlichen kleinen Getränkepausen, einem leichten Aufwärmtraining (soll ich dafür Thomas oder dem Wettergott danken?) und vielen Bodentechniken war der Lehrgang gut durchzustehen. Allerdings waren all meine Sachen 3 Stunden später so klatschnass, dass sie direkt aus der Tasche in die Waschmaschine wanderten. Egal!

 

Bernd Voß zeigte uns in der ersten Lehrgangshälfte eine verkürzte Aufnahme für Shiho Nage und den Ude Osae aus katate tori sowie Verteidigungsmöglichkeiten gegen Fußtritte zum Bauch oder zur Seite. Bei den ersten Techniken kam es darauf an, den Uke weiter in der Angriffslinie zu locken und ihn dann durch Hüftdrehung zu werfen oder zu Boden zu führen.

Die Verteidigung gegen Fußtritte erforderte eine schnelle und sichere Reaktion beim Ausweichen und der Aufnahme, hatten aber den Vorteil, dass der Uke sich selbst in eine instabile Position begab. Ein  „Einbeiniger“ ist in alle Richtungen aus dem Gleichgewicht zu bringen und dazu zeigte uns Bernd verschiedene Möglichkeiten. Allerdings war das Fallen als Uke ungewohnt, mit den üblichen Rollen kam man ja hier nicht weit. Wenn Nage noch ein Bein gefasst hatte musste man zusehen, wie man sich anders vor unkontrolliertem Aufklatschen retten konnte. Ging aber, auch für Unerfahrene problemlos, wenn Nage langsam arbeitete. Und das taten alle schon aus reinem Selbstschutz (schwitz!).

Thomas begann seine zweite Hälfte zunächst mit einer Spielerei: Uke greift katate tori gyako hanmi und Nage lässt sich einfach gerade nach hinten fallen. Die Vorwärtsrollen daraus benötigten schon fast die halbe Mattenlänge. Aber auch für den Fall, dass Uke nicht rollt, sondern sich daneben auf die Knie fallen lässt, hatte Thomas weitere Verteidigungsmöglichkeiten: Seitlich rausdrehen und Ukes Arm zum Ude Osae, Kote Mawashi oder Tekubi Osae Endhebel nutzen. Letzterer kann richtig unangenehm ausfallen, da Nage hier aus der Drehung und der erhöhten Position Druck auf den Unterarm ausüben kann. Anschließend öffnete Thomas seinen „Aikido-Baukasten“ und fing an, nach gewohnter Art zu basteln. Er zeigte, was für Variationsmöglichkeiten sich durch einen Block des Uke und einem Umlenken ergeben können und wie Einzel-abschnitte aus Techniken miteinander kombiniert werden können. Da wurde nach einem beliebigen Ausweichen und Umlenken des Uke zum Beispiel ein Kote Mawashi Mittelteil mit einem Tekubi Osae verknüpft und endete wieder mit einem Kote Mawashi oder Ude Osae Hebel.

Bernd und Thomas hätten uns gerne noch viele weitere Dinge gezeigt, aber dazu war der Lehrgang leider zu kurz. Auch so folgte ständig Neues auf Neuem, sodass nur wenig Zeit zum Üben blieb. Aber wie Bernd nach dem Lehrgang sagte: Ein Lehrgang soll in erster Linie dazu dienen, neue Erkenntnisse zu vermitteln. Das weitere Üben müsste später im normalen Training erfolgen.

Nun, im nächsten Jahr wird sicherlich wieder ein Lehrgang mit Bernd Voss und Thomas Clausen bei uns stattfinden, dann können wir vielleicht daran anknüpfen. Aber vielleicht sind bis dahin ja schon wieder neue Ideen entstanden, überraschen würde mich das nicht.

 

Nach dem Abgrüßen ging der Sturm auf die Duschen los, dann schnell vor Ullas Fernseher oder an den Grill, den heißesten Ort des Tages. Zum zweiten Mal fand im Anschluss an den Sommerlehrgang unser Sommerfest statt, zu dem auch die Eltern der Kinder und Jugendlichen eingeladen waren. Bernd und Thomas hatten wie im Jahr zuvor auf ein Lehrgangshonorar verzichtet, sodass wir aus den Gebühren das Fest finanzieren konnten. Ich hoffe, Sascha und seine Angelleidenschaft wird uns noch lange erhalten bleiben. Die gegrillten und geräucherten Fischvariationen waren der Hit des Buffets. Die Stimmung war gut und draußen konnte man abends das schöne Wetter richtig genießen.

Da es ja auch ein Spendenlehrgang war, stand auf dem Büffet eine Box, in die wer wollte, einen Betrag für das Kinderhaus in Grömitz entrichten konnte. Zusammen mit dem gespendeten Honorar von Patrick Davids Jugendlehrgang ergab sich ein Betrag von sage und schreibe 500 €. 

 

Herzlichen Dank an unsere fleißigen Heinzelmännchen in der Küche, die aus gesundheitlichen Gründen leider nicht am Lehrgang teilnehmen konnten, aber trotzdem gekommen waren, um zu helfen. Und natürlich einen ganz großen Dank an Thomas und Bernd! Thomas hatte trotz Erkrankung den Lehrgang perfekt gemanagt und alles daran gesetzt, bis zum Lehrgangstag wieder fit zu sein.

 

Anne Strack