Wie heißt es so schön:

Was lange währt, wird endlich gut.

Und das war es auch!

 

Vereinslehrgang zum 6-jährigen Bestehen der Aikidosparte Grömitz.

 

Letztes Jahr hatte es leider nicht geklappt. Daher hatten wir uns sehr gefreut, als Roland Nemitz (6. Dan) nun am 4. und 5. April 2009 Zeit fand, zu einem Lehrgang nach Grömitz zu kommen.

Es war mein zweiter Lehrgang mit Roland als Lehrer. Der Erste liegt schon einige Zeit zurück, und da ich dort noch ausschließlich damit beschäftigt war, meine Hände und Füße zu koordinieren, war ich sehr gespannt. Zumal Roland im Vorfeld gesagt hatte, er möchte sich auf kein Lehrgangsthema festlegen und dies erst entscheiden, wenn er sieht, wer am Lehrgang teilnimmt. Daraus spricht wohl seine langjährige Erfahrung und wurde vollends bestätigte, als sich alle zur Begrüßung auf der Matte einfanden: Ihn erwartete eine äußerst bunt gemischte Gruppe von 51 Aikidoka, bestehend aus Kindern und Erwachsenen allen Alters, aller Gürtelfarben und aus 3 verschiedenen Verbänden.

Roland begann den Lehrgang am Samstag mit einem ausgiebigen, aber sanften Aufwärmtraining und anschließenden Rollübungen. Daran schlossen sich Vorübungen zum Ausweichen gegen Jokomen-uchi an. Bei dem Angriff blieben wir, aber mit Variationen in der Aufnahme, in verschiedenen Techniken und Ausführungen. In der zweiten Hälfte trainierten die Kinder auf ihrer Mattenfläche weiter die Shiho-nage, Irimi-nage und Ude-osae aus Jokomen-uchi und machten zum Ende noch einige Spiele, während sich die Jugendlichen und Erwachsenen im Katame-Waza weiter aufwärts bis zum Tekubi-osae arbeiteten.

Die 3 Stunden vergingen fast unbemerkt, wie im Flug. Erst als Roland zum Ende hin noch mal alle Techniken und Varianten abrief, die wir an diesem Tag geübt hatten, fiel auf, dass wir ganz schön fleißig gewesen waren! So endete der erste Tag dann mit einem wohlverdienten ausgiebigen Büffet.

Thomas Clausen hatte beim Lehrgang nicht nur an alles gedacht und organisiert, sondern

verwöhnte uns nun hier mit warmen Gerich-ten, kalten Platten und Salaten, die er für uns vorbereitet hatte.

Sonntagmorgens um 10 Uhr trafen wir uns wieder und nun waren die Kinder zahlen-mäßig eindeutig in der Mehrheit. Das Auswärmtraining beinhaltete viele Spiele, an denen auch die Erwachsenen sichtlich ihren Spaß hatten. Vielleicht waren es die lachenden Kindergesichter, vielleicht das vorabendliche nette Beisammensein, vielleicht auch beides zusammen? Jedenfalls ging es ausgesprochen fröhlich zu.

Am zweiten Lehrgangstag beschäftigte uns der Angriff Katate-tori: angefangen mit Shiho-nagen, Irimi-nagen (diese beiden für die Fortgeschrittenen auch mit dem Jo) und alle Bodentechniken bis zum Kote-hineri, wiederum immer mit Variationen in der Aufnahme. Da viele der Kleineren mit den letzten Techniken doch überfordert waren, gab Roland die Order, dass sich jeder Erwachsene bzw. jeder Fortgeschrittene um eines der Kinder kümmert. Gar nicht so einfach einem Kind zu erklären, welcher Fuß, welche Hand sich wann, wie und wohin bewegt. Viele der Abläufe sind doch schon so automatisiert, dass ich mir oft selbst noch einmal darüber klar werden musste, was ich da überhaupt tue. Eine gute Übung.

Was mir bei Roland während des Lehrgangs als Erstes ins Auge fiel, war, dass seine Bewegungen sehr klein ausfallen. Der Spruch: „Uke soll laufen und nicht Nage“ wurde für mich bei ihm wirklich deutlich sichtbar. Während Roland fast auf der Stelle zu arbeiten schien, hastete sein Uke im Eiltempo um ihn herum.

Immer wieder betonte Roland, dass die Führung aus dem Zentrum kommen muss. Aber der Groschen, wie ein Zusammenhang zwischen dem Zentrum des Nage und der Bewegung des Uke besteht, fiel bei mir erst bei einer tenkan ashi Vorübung. Roland dreht sich mit der Hand vor seinem Zentrum auf der Stelle weiter, und sein Uke lief auf einer (na klar) größeren Kreisbahn um ihn herum. Sein eigenes Zentrum war zum Zentrum/ Mittelpunkt der Bewegung des Uke geworden. Nachdem ich das nun einmal begriffen hatte, fand ich dieses Prinzip in Ausschnitten immer wieder. Jetzt erscheint es mir so einfach und so banal, dass ich mich frage, wieso ich das nicht schon früher begriffen habe. Aber zum Glück gibt es ja Lehrgänge!

Dann war auch dieser Tag leider vorbei. Zum Abschluss versammelte Roland alle um sich herum und war umringt von einer Schar Kinder. In seinen Abschlussworten an uns fand ich sehr schön, dass er die Möglichkeit aussprach, zu einem Lehrgang nach Grömitz wieder zu kommen, sei es als Lehrer oder auch als Teilnehmer. Denn das könnte er auch: Nicht nur lehren, er könne auch noch trainieren.

 

Wir würden uns riesig freuen, sowohl über das eine, als auch über das andere. Am liebsten natürlich beides ...

 

Anne Strack