Zwei Tage AikidomitReiner Brauhardt(7.Dan Aikido - Kyoshi & 2. Dan Iai-Do)Grömitz, 5. und 6. April 2008
Einen so hochgraduierten Meister für einen Lehrgang zu bekommen verdankten wir den beiden Jubiläen, die in diesem Jahr zusammenfallen. Der TSV Grömitz feiert sein 100 jähriges Bestehen und dessen Aikido Sparte wurde fast auf den Tag genau 5 Jahre alt. Ehrlich gesagt hatte ich Zweifel, ob ich mich mit den Techniken zurechtfinden würde, da Reiner Brauhardt einem anderen Aikido-Verband angehört als wir. Aber dieses war völlig überflüssig, wie ich sehr bald erleichtert feststellte. Ja, einiges an den Ausführungen war anders, als ich es bislang kannte, aber sie enthielten allesamt bekannte Elemente.
In den Gesichtern der Lehrgangsteilnehmer waren ungläubiges Staunen und faszinierte Blicke zu sehen, wenn Reiner uns sein Aikido vorführte. Es schien so leicht zu sein! Spätestens beim eigenen Probieren kam man dann aber auf den Boden der Realität zurück. Im Verlauf des Lehrgangs ging mir dann bei einer „ganz einfachen“ Ausweichübung gegen zwei Angreifer auf, welche Präzision dazugehört. Bei Reiner erschien es, als würden beide Angreifer immer im richtigen Moment und aus der richtigen Richtung kommen. Was natürlich nicht so war! Aber es sah so aus. Seine Bewegungen waren so rund, so ruhig und so gleichmäßig! Als ich es dann selber versuchte, war klar: Das dauert noch laaange, allein nur um das richtige Timing zu bekommen (oder anders gesagt: Das Ergebnis war grauslich!). Trotzdem, dadurch, dass Reiner waffenlose Techniken und Techniken mit Bokken und Jo abwechselte, hatte ich den Eindruck immer weiter trainieren zu können, ohne konzentrations-mäßig zu ermüden.
Und was mir auch sehr gut gefiel: Er ließ uns Zeit. Ich weiß nicht, wie das bei der Vielzahl an Techniken möglich war, aber immer reichte die Zeit zum Üben aus bis ein Fluss in die Technik kam. Währenddessen gingen Reiner und sein Co-Trainer Holger zu jedem Einzelnen und sahen zu. Gaben ein Feedback, wenn es richtig war, korrigierten, wo es was zu korrigieren gab, sahen nochmals zu, bis man die Ausführung verstanden hatte. Und die 12 Kinder unter den 60 Lehrgangsteilnehmern waren ungeheuer stolz, dass Reiner und Holger auch auf die separate Kindermatte kamen, um ihnen zu helfen. Als Reiner den ersten Lehrgangstag mit den Worten beendete, es hätte ihm viel Spaß mit uns gemacht und er würde sich schon auf morgen freuen, war deutlich zu sehen: nicht nur er! Überall sah man strahlende Gesichter und es lässt sich wohl am besten mit der spontanen Reaktion eines Jungen beschreiben, der mir mit leuchtenden Augen verkündete: Ich habe eine neue Lieblingstechnik! Um 19 Uhr begann der gemütliche Teil des Tages. Da es ja ein kleines Jubiläum zu feiern gab, hatte unser Trainer (Thomas Clausen) für ein ausgiebiges Büffet in der Gildehalle gesorgt. Bei der großen Auswahl an Leckereien dürfte wohl jeder mehr als satt geworden sein. Anschließend saßen wir noch bis spät in den Abend beisammen und lernten dabei neue, sehr nette Aikidoka kennen.
Am Sonntagmorgen um 10 Uhr ging es dann weiter im Programm. Leider konnten nicht alle vom Samstag wieder dabei sein, dafür waren ein paar andere dazugekommen. Zu der begeisterten Stimmung vom Vortag war über Nacht noch ausgesprochene Fröhlichkeit gekommen. Zu gerne hätte ich am Ende Reiner zitiert und gebeten: „Ein bisschen noch.“ So bewusst wie bei diesem Lehrgang habe ich bisher nie wahrgenommen, aus wie vielen Kreisbewegungen Aikido besteht. Wie Uke dadurch beschleunigt wird, ein kleiner Impuls genügt um ihn zu Fall zu bringen und dies trotz (oder vielleicht wegen?) sehr kurzer Techniken. Auch die Hebelwirkungen die man mit dem Jo erreicht, haben mich sehr beeindruckt. Schade, dass der Lehrgang nicht noch einen Tag länger dauerte. Schade, dass Jubiläen so selten sind. Aber ich habe erfahren, dass Reiner Brauhardt im November einen Lehrgang in Kaltenkirchen abhalten wird.
Der Termin ist bereits vorgemerkt!
Anne Strack |