Flensburg(er) Dunkel

 

Landeslehrgang mit Martin Glutsch, 6. Dan Aikido, am 27./28.09.2008 in Flensburg

 

Moin, moin: So begrüßte uns Martin auf der Matte. Seinen leicht schwäbischen Dialekt hörte man heraus, gefreut hat mich die Geste aber sehr. Martin und Gaby hatten die lange Reise aus Süddeutschland mit der Bahn auf sich genommen, um uns Nordlichter mit einem wunderbaren Lehrgang zu verwöhnen – und das trotz Martins gebrochenen Fußes. Dank der Schiene sah man das Handicap aber kaum. Martin bewegte sich mit der gewohnten Eleganz auf den Tatami. Das diesmal alles ruhig und langsam vor sich ging, kam uns wegen der langen Trainingseinheiten sehr zu Pass. Jeweils drei Stunden am Samstagnachmittag  und am Sonntagvormittag forderten denn doch ein hohes Maß an Konzentration.

Nachdem wir uns am Samstag durch den Stau auf der A7 gequält hatten, ging es gleich mit Grundschule vom Feinsten los. Angriff Katatetori  Gyakuhanmi und Sabaki, den Partner sicher führen und destabilisieren, bis er so steht, dass er mir – neben mir –  nicht mehr gefährlich werden kann. Kleine Details in der Führung zeigen große Wirkung oder eben keine, wenn man die grundlegenden Prinzipien nicht bedenkt. Uke und Nage müssen sich im gesamten Verlauf der Technik schützen, schließlich üben wir nicht hohle Formen, sondern eine Kampf (!) -kunst und es muss im Zweifelsfall jederzeit mit einem weiteren Angriffsversuch gerechnet werden. Mit diesen grundlegenden und hoch spannenden Fragestellungen konnten wir uns problemlos drei Stunden beschäftigen. Nur meine Unterarme taten von den vielen Angriffen irgendwann weh ... Nach außen hin sah es vielleicht so aus, als hätten wir gar nicht „viel“ gemacht. Falsch gedacht! Aus den Techniken die „verborgenen“ Prinzipien und Botschaften des Aikido herauszuholen und sie den Schülern begreiflich zu machen, zeichnet einen guten Lehrer aus. Martin bot Raum und Zeit, um in die Tiefe zu gehen, die Techniken zu erschließen und zu begreifen. Das machte viel Spaß.

Spaßig war dann auch das Abendprogramm, das Prof. Ines Heindl, die Lehrgangsleiterin, mit ihren Helferinnen organisiert hatte. Sie arbeitet ja an der FH Flensburg, was schon ermöglicht hatte, dass wir in der schönen, modernen Unisporthalle trainieren konnten. Für das Abendprogramm hatten ihre Studenten für uns ein gesundes und unglaublich leckeres Essen gekocht. Aber ich will hier erst gar nicht anfangen, über die Kürbissuppe zu schwärmen. Unvorhergesehener Weise entwickelte sich das Mahl im 6.Stock des Unigebäudes zu einem candellight dinner. In ganz Flensburg war der Strom ausgefallen! Zum Glück war das Essen schon fertig gekocht und so trösteten wir uns bei Flensburg(er) Dunkel und genossen das gemütliche Essen in der Lehrküche auf Hockern im Kerzenlicht. Mit einem guten Klönschnack war das der perfekte Ausklang des Tages.

Am Sonntag stand Jo auf dem Programm. Nach einigen einleitenden Erklärungen zum Charakter der Waffe, Übungen zum korrekten Fassen und Schlagen bzw. Stoßen mit dem Jo, widmeten wir uns dem ersten Teil der traditionellen 31er Stabkata. Schritt für Schritt übten wir in ruhigem Tempo die einzelnen Sequenzen. Martin kam herum und korrigierte wieder sehr gründlich und hilfreich. Es blieb genug Zeit, die Abwehrtechniken und die Angriffe häufig zu wiederholen, so dass die Bewegungen aus dem Kopf in den Körper „sacken“ konnten. Diese Arbeitsweise kam mir sehr entgegen, da der Körper über das Wiederholen lernt und seine Zeit braucht, um sich zu erinnern. Letztlich nahm man so aber mehr mit. Der Kopf kam aber auch auf seine Kosten, da wir zu den geübten Sequenzen auch die Anwendung der Kata in Paaren übten. So konnte man sich die Abwehr viel besser vorstellen und erfuhr gleichzeitig, wie wichtig das saubere und konsequente Angreifen ist, da der Partner sonst keine vernünftige Technik machen kann. Ich möchte Kata jetzt eigentlich nur noch so lernen und üben. Mein Fazit: Es war trotz widriger äußerer Umstände ein toller Lehrgang. Vielen Dank an Martin und Gaby sowie an Ines und ihr tatkräftiges Team.

Frauke Drewitz, Sachbearbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit im AVSH

 

 

   
         
Fotos: Ulrich Schümann

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