|
Moin, moin: So begrüßte
uns Martin auf der Matte. Seinen leicht schwäbischen Dialekt hörte man
heraus, gefreut hat mich die Geste aber sehr. Martin und Gaby hatten die
lange Reise aus Süddeutschland mit der Bahn auf sich genommen, um uns
Nordlichter mit einem wunderbaren Lehrgang zu verwöhnen – und das trotz
Martins gebrochenen Fußes. Dank der Schiene sah man das Handicap aber
kaum. Martin bewegte sich mit der gewohnten Eleganz auf den Tatami. Das
diesmal alles ruhig und langsam vor sich ging, kam uns wegen der langen
Trainingseinheiten sehr zu Pass. Jeweils drei Stunden am
Samstagnachmittag und am Sonntagvormittag forderten denn doch ein hohes
Maß an Konzentration.
Nachdem wir uns am
Samstag durch den Stau auf der A7 gequält hatten, ging es gleich mit
Grundschule vom Feinsten los. Angriff Katatetori Gyakuhanmi und Sabaki,
den Partner sicher führen und destabilisieren, bis er so steht, dass er
mir – neben mir – nicht mehr gefährlich werden kann. Kleine Details in
der Führung zeigen große Wirkung oder eben keine, wenn man die
grundlegenden Prinzipien nicht bedenkt. Uke und Nage müssen sich im
gesamten Verlauf der Technik schützen, schließlich üben wir nicht hohle
Formen, sondern eine Kampf (!) -kunst und es muss im Zweifelsfall
jederzeit mit einem weiteren Angriffsversuch gerechnet werden. Mit
diesen grundlegenden und hoch spannenden Fragestellungen konnten wir uns
problemlos drei Stunden beschäftigen. Nur meine Unterarme taten von den
vielen Angriffen irgendwann weh ... Nach außen hin sah es vielleicht so
aus, als hätten wir gar nicht „viel“ gemacht. Falsch gedacht! Aus den
Techniken die „verborgenen“ Prinzipien und Botschaften des Aikido
herauszuholen und sie den Schülern begreiflich zu machen, zeichnet einen
guten Lehrer aus. Martin bot Raum und Zeit, um in die Tiefe zu gehen,
die Techniken zu erschließen und zu begreifen. Das machte viel Spaß.
Spaßig war dann auch das
Abendprogramm, das Prof. Ines Heindl, die Lehrgangsleiterin, mit ihren
Helferinnen organisiert hatte. Sie arbeitet ja an der FH Flensburg, was
schon ermöglicht hatte, dass wir in der schönen, modernen Unisporthalle
trainieren konnten. Für das Abendprogramm hatten ihre Studenten für uns
ein gesundes und unglaublich leckeres Essen gekocht. Aber ich will hier
erst gar nicht anfangen, über die Kürbissuppe zu schwärmen.
Unvorhergesehener Weise entwickelte sich das Mahl im 6.Stock des
Unigebäudes zu einem candellight dinner. In ganz Flensburg war der Strom
ausgefallen! Zum Glück war das Essen schon fertig gekocht und so
trösteten wir uns bei Flensburg(er) Dunkel und genossen das gemütliche
Essen in der Lehrküche auf Hockern im Kerzenlicht. Mit einem guten
Klönschnack war das der perfekte Ausklang des Tages.
Am Sonntag stand Jo auf
dem Programm. Nach einigen einleitenden Erklärungen zum Charakter der
Waffe, Übungen zum korrekten Fassen und Schlagen bzw. Stoßen mit dem Jo,
widmeten wir uns dem ersten Teil der traditionellen 31er Stabkata.
Schritt für Schritt übten wir in ruhigem Tempo die einzelnen Sequenzen.
Martin kam herum und korrigierte wieder sehr gründlich und hilfreich. Es
blieb genug Zeit, die Abwehrtechniken und die Angriffe häufig zu
wiederholen, so dass die Bewegungen aus dem Kopf in den Körper „sacken“
konnten. Diese Arbeitsweise kam mir sehr entgegen, da der Körper über
das Wiederholen lernt und seine Zeit braucht, um sich zu erinnern.
Letztlich nahm man so aber mehr mit. Der Kopf kam aber auch auf seine
Kosten, da wir zu den geübten Sequenzen auch die Anwendung der Kata in
Paaren übten. So konnte man sich die Abwehr viel besser vorstellen und
erfuhr gleichzeitig, wie wichtig das saubere und konsequente Angreifen
ist, da der Partner sonst keine vernünftige Technik machen kann. Ich
möchte Kata jetzt eigentlich nur noch so lernen und üben. Mein Fazit: Es
war trotz widriger äußerer Umstände ein toller Lehrgang. Vielen Dank an
Martin und Gaby sowie an Ines und ihr tatkräftiges Team.
Frauke Drewitz, Sachbearbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit im AVSH
|