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Erst wurde gekuschelt, dann abgeschleppt!
Wer jedoch glaubt jetzt eine Flirt-Anleitung zu finden, sucht leider vergeblich. Denn was nach der Zusammenfassung eines kitschigen Romans klingt, beschreibt genauso den Jugendlehrgang des AVSH in Kaltenkirchen. Schon seit der Lehrgangsausschreibung war die Vorfreude bei allen groß, denn wenn die 14 bis 18-jährigen zu einem Lehrgang auf die Matte gebeten werden, sieht man immer bekannte Gestalten. So war es auch eher die Ausnahme, dass mir ein Gesicht unbekannt war. Besonders groß war die Freude über die aus Clausthal-Zellerfeld angereiste Fraktion, weil die Freundschaften, die sich durch das Aikido gebildet haben, auch über die Entfernung bestehen und die allzu seltenen Wiedersehen daher immer ein Grund zur Freude sind! Der Weg war also geebnet für einen spannenden und in jedem Fall fröhlichen Lehrgang. Für zusätzliche Neugier sorgte auch das ausgeschriebene Thema mit den dazugehörenden Trainern. Mit Silvia Antunovic, 1. Dan Aikido aus Hamburg, sah man ein für viele unbekanntes Gesichte auf der Matte und auch mit Andre Große, 1. Dan Ju-Jutsu und 1. Kyu Aikido, konnte anfangs niemand etwas anfangen, was sich jedoch ändern sollte. Am Freitagabend war das erste Training angesetzt und Silvia zeigt uns ihre Art des Aikidos, denn nach eigenen Angaben ist sie ein ‘faules Stück‘ und daher sind große und ausschweifende Techniken nicht nach ihrem Geschmack. Das wichtige, was sie uns bereits am ersten Tag verdeutlichte, sei jedoch das Kuscheln. Keine Technik kann funktionieren, wenn zwischen Uke und Nage drei Meter Luft ist. Viel mehr muss man den Körperkontakt suchen und hat es so dann auch umso leichter beim Bewegen des Angreifers. Kuscheln hat also in gewisser Weise etwas auf der Matte zu suchen und fördert auch die Harmonie der Trainierenden. Im Anschluss wurde das Essen, welches in Form von Pizza gereicht wurde, verwertet, damit die Abendgestaltung beginnen konnte. Neben dem mittlerweile zum Pflichtprogramm gehörenden Volleyball gab es auch eine neue Ballbeschäftigung mit Namen Gürtelhockey. Patrick, der bekannte und beliebte Jugendtrainer aus Clausthal-Zellerfeld, erklärte kurz das Spiel. Mit dem Aikido-Gürtel als Schläger in der Hand rannten nun zwei gebildete Teams hinter einem Tennisball her um Tore zu schießen. Der schweißtreibende Zeitvertreib erfreute sich großer Beliebtheit und wird wohl auch in Zukunft nicht wegzudenken sein. Den Abschluss des Abends bildete eine Runde Werwolf, ein Spiel, das inzwischen eine der längsten Traditionen auf solchen Lehrgängen hat und das mit jedem Lehrgang seinen Kreis an Spielbegeisterten erweitert. Doch auch so ein ruhiges Spiel zum Abschluss des Tages kann die Müdigkeit nicht am Kommen hindern und bald waren alle in einen tiefen Schlaf gefallen. Der zweite Morgen, selbst wenn das Aufstehen auf Lehrgängen meist doppelt so schwer fällt, brach an und nach einem auswahlreichen Frühstück bei guter Musik, stand nun eine Einheit Ju-Jutsu auf dem Plan. Andre zeigt Parallelen zwischen dem Ju-Jutsu und dem Aikido auf und verwendete sehr verwandte Techniken. Doch endeten diese nicht mit dem typischen Ablegen, sondern in einem Transportgriff. Sinnvoll ist dies alle Mal, denn was mache ich denn, wenn ich meinen Angreifer erst mal auf den Boden gebracht habe? Abschleppen kann da auf jeden Fall hilfreich sein und so verfolgten alle gespannt die gezeigten Techniken und die Möglichkeiten auch nach dem Ablegen jemanden noch zu kontrollieren. Selbst wenn es ungewohnt war, so lobte er die ganze Truppe für den Einsatz und auch wir danken dir, für eine sehr gelungene Einheit. Danke! Es folgte Silvia und damit ein weiterer Einblick in ihre Aikido-Welt. Denn wenn sie als Aufgabe stellt ‘Stellt Euch vor ihr wärt Barbie‘, dann mag das sicherlich anfangs verwundern. Doch sie hat Recht, denn Barbie lässt die Tegatana, die Schwerthand, immer auf Spannung und nimmt die Arme auch nicht in alle Himmelsrichtungen zur Seite. Was bei der guten Barbie Veranlagung ist, kann uns daher als ein gutes Beispiel dienen. Und auch Silvias Satz ‘Macht das wie Shakira‘ hat durchaus seine Berechtigung, wenn man mal auf den Einsatz der Hüfte von ihr und uns eingeht. Wichtig ist das bei ihrem Tanzen und bei unserm Aikido noch viel mehr. Silvia vermittelte mit viel Spaß wichtige Grundregeln des Aikido. Vielleicht sollte man Silvia auch so am besten beschreiben, als kuschelnde Shakira-Barbie. Auch dir danke für das schöne Training. Die Schwimmhalle war für uns die nachmittags Beschäftigung und nach den Strapazen auf der Matte sah nun alle wieder die Rutsche hinunter sausen oder einfach nur im Whirlpool liegen. Die Zeit, das ist ja aber auch irgendwie ihre Aufgabe, ging wieder viel zu schnell rum und so fanden wir uns dann wieder beim Abendessen ein. Und hier durften wir Zeugen eines Weltrekordversuchs werden: Wie viel Remoulade passt auf einen Croque! Den meisten eindeutig zu viel, doch leider hatten wir kein Rückgaberecht auf angebissene Croques, sonst hätten wir wohl noch Gewinn gemacht. Doch so etwas weiß man ja vorher nicht. Der Abend war dafür wieder umso lustiger mit einem Singkreis. Zuerst waren es ‘Die Ärzte‘ bei denen alle mitsangen und danach jedes Lied, bei dem irgendwas vom Text bekannt war. Anstatt einer gute Nachtgeschichte ging es auch diese Nacht noch einmal in den Düsterwald auf Werwolf-Jagd. Der letzte Morgen, ein letztes Mal über die Matte gescheucht werden und schon neigte sich auch dieses Wochenende seinem Ende. Mattenabbau, Taschen packen, wobei ich auf dem Rückweg immer mehr Gepäck habe als bei der Anfahrt, und dann noch die Verabschiedung von allen, die man nun so lange nicht mehr sehen sollte. Auch wenn der Abschied für einige nur von kurzer Dauer sein sollte, so ist es doch immer schade, wenn alle so auseinander gehen. Glücklicherweise ist solch ein Abschied nie ein Lebewohl, sondern immer nur ein Auf Wiedersehen. Denn das Aikido verbindet uns immer und hat die Kraft (Ki) den Weg (Do) für die Harmonie (Ai) zu ebnen! |