Heranwachsende Samurai treffen sich wieder

Lehrgang für 14- bis 18-Jährige vom 03. – 05.03.06 in Wattenbek

 30 Jugendliche und 10 Jugendleiter kamen am Freitag, dem 03.05.06 zusammen, um gemeinsam ein verlängertes Wochenende mit Aikido und Überraschungsprogramm zu erleben. Die Teilnehmer stammten aus den drei norddeutschen Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Aus Schleswig-Holstein entsandten die Bramstedter Turnerschaft, der MTV Barmstedt, der SV Boostedt, der MTSV von 1860 Hohenwestedt, die Kaltenkirchener Turnerschaft und der TSV Wattenbek ihre jugendlichen Mitglieder sowie Jugendleiter. Aus Hamburg kamen Aikidoka des Bramfelder Sportvereins, und aus Niedersachsen waren der Universitätssportclub Clausthal-Zellerfeld und die SG Wolbrechtshausen-Hevensen mit von der Partie.

Diese erstmals vom Aikido-Verband Schleswig-Holstein organisierte Veranstaltung bot den Jugendlichen die Möglichkeit des Wiedersehens mit altbekannten Freunden aufgrund früherer Aikidolehrgänge. Die Zielgruppe der 14- bis 18-Jährigen wurde bewusst gewählt, um auch den Jugendlichen, die aufgrund ihres Alters nicht mehr am Samurai Camp teilnehmen können, eine Gelegenheit zum gemeinsamen Aikidotraining und Sporttreiben zu geben. Die hohe Teilnehmerzahl zeigte, dass Bedarf in dieser Richtung besteht.

Wolfgang Lockenvitz, 2. Dan war den meisten Aikidoka noch unbekannt, was sich bald ändern sollte. Er zauberte viele verschiedene Aufwärm-, Gymnastik- und gruppendynamische Spielformen aus dem Ärmel. Die Teilnehmer rotierten häufig und konnten sich so ein wenig näher kennen lernen. Besonderes Augenmerk richtete Wolfgang auf die wirksame Aufnahme der Kraft und entsprechende Umlenkung. Bei angesagtem regelmäßigem Partnerwechsel wurde fleißig trainiert.

Am Freitagabend sahen wir uns Teile eines Films über die Aikido World Games an. Wir waren verblüfft über die dargestellten unterschiedlichsten Stile des Aikido und die große Teilnehmerzahl. Außerdem bestaunten wir einen sehr betagten Aikidoka. Um 24.00 Uhr wurde dann die Bettruhe in der Halle eingefordert. Erschöpft von dem intensiven Training trat eine halbe Stunde später tatsächlich Ruhe ein.

Am nächsten Morgen konnten sich alle bei einem guten Frühstück mit Ei und Orangensaft stärken. Der Hunger schien diesmal etwas größer geworden zu sein.

Nach dem Frühstück leitete Wolfgang das Training mit schneller, rhythmischer Musik ein. Bereits nach drei Minuten spürten alle ihre eigene Leistungsgrenze. Nach dem guten Aufwärmtraining standen Irimi-Nage und Kote-gaeshi auf dem Programm. Immer wieder betonte Wolfgang die ganzheitliche körperliche Führung und das elegante Aufnehmen der Kraft des Partners.

Nach dem Mittagessen im Vereinsheim besprachen wir einen Entwurf für die Jugendordnung. Mit Hilfe moderner audiovisueller Technik in Form von Beamer und Laptop konnte ich Ziele und Regeln der Jugendarbeit erläutern und auch Interesse an notwendigen Regelungen wecken. Ideen und Anmerkungen der Teilnehmer werden in den Entwurf eingearbeitet werden. Die teilnehmenden Aikidoka aus Schleswig-Holstein bekräftigten die Unterstützung einer Jugendordnung mit ihrer Unterschrift. Einige Jugendliche erklärten sich bereit, bei der entstehenden Jugend-Organisation mitzuarbeiten.

Am Nachmittag marschierten wir zur Lindenschule in Bordesholm. Nun wurde die Überraschung und der Grund für die Mitnahme von Hallenturnschuhen offenkundig: eine Einführung in den Discofox.

Die teilnehmenden jugendlichen Aikidoka Madleen und André führten durch das Lehrprogramm. Wolfgang, der übrigens auch ein Hobbytänzer ist, stand ihnen dabei beratend zur Seite und kümmerte sich um die Musik. Anfangs erschien allen Nichttänzern das Erlernen der Tanzschritte als mühevoll. Später jedoch machte das lebendige Tanzen mit den unterschiedlichsten Figuren bei fetziger Musik sehr viel Spaß. Zum Abschluss konnten wir Madleen und André bei einem professionell einstudierten lateinamerikanischen Tanz, nämlich dem Cha-Cha-Cha bewundern. Die Aikidoka waren alle begeistert und spendeten dementsprechend Beifall.

Am späten Nachmittag ging es bei dichtem Schneefall zu Fuß zurück zum Vereinsheim in Wattenbek, wo die Wirtin mit dem Abendbrot auf uns wartete. Sie war ganz begeistert von der Harmonie und der Umsicht der Gruppe. Im Anschluss an das gemeinsame Essen begannen einige Teilnehmer in der Sporthalle ganz spontan ein Volleyballspiel. Wolfgang spannte gemeinsam mit Pieter das Volleyballnetz auf. Hierbei entstand ein völlig neues Gruppengefüge. Ca. 22 Personen nahmen an dem Spiel teil. Hier nahm Detlef seine gewohnte Rolle als „objektiver und fairer Punktrichter“ ein. Die restlichen Aikidoka genossen ihre Ruhe auf der gemütlichen Hochsprungmatte und nutzen die Möglichkeit zu einem Gespräch.

Nach Ende des Spiels widmeten sich alle wieder dem Aikidotraining. Es war wie gewohnt schweißtreibend. Einige mussten hier schon dem bewegungsfreudigen Tag Tribut zollen und zogen deshalb eine Auszeit vor. Andere kamen erst richtig in Fahrt und konnten ihren Bewegungsdrang mehr als decken. Kote-Gaeshi und Irimi-Nage standen im Mittelpunkt des Trainingsprogramms.

Im Anschluss stimmten die Teilnehmer ab, ob sie den Tag mit Disco, einem Film oder mit Spielen beschließen wollten. Die Mehrzahl entschied sich für einen ruhigen Ausklang des Tages, nämlich für einen Film. Die moderne Technik machte dies in der Halle möglich. Einige andere Aikidoka zogen sich in den Umkleideraum zurück und spielten dort unter Anleitung von Patrick das Werwolf-Spiel. Gegen Mitternacht trat dann schnell Ruhe ein. Der anstrengende Tag hinterließ seine Spuren.  

Am Sonntagmorgen wurde das letzte gemeinsame Frühstück anlässlich des Lehrgangs eingenommen. Im Anschluss kamen Wolfgangs Spielformen zum Aufwärmen wieder zur Geltung. Wir übten Eingangsformen zum Tekubi-Osae, den Kote-mawashi irimi und Kote-Gaeshi. Aikido-Rollen bis zum freien Fall sowie Gruppenspiele kamen bei diesem Training nicht zu kurz. Der Cool-down in Form von „Baumstamm-Transportieren“ und Wettspielen, die fair ausgetragen wurden, bereitete sichtlich Freude.

Nach einigen kurzen Dankesworten insbesondere an unseren Lehrer Wolfgang konnten wir den Lehrgang zufrieden abschließen. Die Aikido-Matte bauten wir gemeinsam ab, tauschten Adressen aus und verabschiedeten uns mit herzlichen Umarmungen. Eine spätere SMS-Reaktion eines Jugendlichen lautete: „Das Schönste war, dass wir uns alle einmal wieder gesehen haben!“ Dies trifft meines Erachtens den Kern.

Dieser Lehrgang hat viel Spaß gemacht und wird garantiert eine Fortsetzung erfahren.

 

Lilo Schümann

Jugendleiterin des

Aikido-Verbandes Schleswig-Holstein

 

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